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Probiotika im Härtetest
Investition in die Gesundheit oder Geldverschwendung?


Inhalt
Vielfalt an BakterienstämmenHohe DosierungStärkung der DarmschleimhautVerpackung und SchutzQualitätsstandardUnsere TestergebnisseMüdigkeit, Verdauungsbeschwerden oder ein schwaches Immunsystem – es gibt kaum ein Leiden, für das inzwischen kein probiotisches Produkt angepriesen wird. Es gibt sie in allen Formen, Farben – und natürlich auch Preisklassen. Aber was sind Probiotika eigentlich, was sind ihre Aufgaben und – am allerwichtigsten – was ist dran an den oft vollmundigen Versprechungen?
Zusammenfassung
- Die Wissenschaftler sind sich einig: Der Darm und die in ihm lebenden Bakterien haben grossen Einfluss auf den ganzen Körper.
- Aus diesem Grund erfreuen sich sogenannte Probiotika wachsender Beliebtheit.
- Trotz ihrer Unterschiedlichkeit gibt es einige fundamentale Qualitätskriterien, anhand derer wir beliebte Produkte getestet haben.
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Die meisten von uns tun den Darm als reines Verdauungsorgan ab. Tatsächlich ist er aber ein unglaublich komplexes Wunderwerk, das von einem Ökosystem aus Bakterien, dem sogenannten Mikrobiom, besiedelt wird. Dieses Mikrobiom ist für unser ganzes Wohlbefinden entscheidend, denn es hat massgeblichen Einfluss auf viele Prozesse im ganzen Körper, vom Immunsystem über die Regulierung des Stoffwechsels bis hin zu unserer psychischen Gesundheit.
Wie wichtig das Mikrobiom tatsächlich ist, fällt allerdings häufig erst dann auf, wenn es aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein solcher von Experten als Dysbiose bezeichneter Zustand ist es, der die Ursache hinter Beschwerden wie den eingangs genannten, aber auch vielen weiteren, sein kann.
Eine Möglichkeit, diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, sind Mikrokulturenpräparate, umgangssprachlich auch „Probiotika“. Sie enthalten natürlicherweise im Darm vorkommende Bakterien und sind meist in Kapselform erhältlich.
Die Grundidee: Durch die Zufuhr spezifischer Darmbakterien soll das Darmmikrobiom wieder ins Gleichgewicht kommen und der Darm in der Erfüllung seiner Aufgaben wieder optimal unterstützt werden – für rundum mehr Wohlbefinden. Doch leider gibt in der Vielzahl an Präparaten erhebliche Qualitätsunterschiede.
Experten empfehlen, auf diese 5 Qualitätskriterien zu achten
Eine hohe Vielfalt an Bakterienstämmen
Das Präparat sollte in seiner Zusammensetzung einem ausgeglichenen menschlichen Darmmikrobiom möglichst nahekommen. Nun beherbergt ein menschlicher Darm aber nicht nur 3 bis 10 verschiedene Bakterienstämme, sondern weitaus mehr. Daher sollten mindestens 50 Bakterienstämme enthalten sein.

Eine ausserordentlich hohe Dosierung
Zwar klingen Zahlen wie 2, 4 oder 10 Mrd. KBE zuerst einmal sehr beeindruckend, jedoch enthält ein gesunder Darm nach aktueller Forschungslage 10 bis 100 Billionen Bakterien. Präparate mit einer zu geringen Dosierung fallen dadurch nicht genügend ins Gewicht, um tatsächlich eine Veränderung bewirken zu können.
Experten empfehlen aktuell Produkte mit mindestens 20 Mrd. KBE.

Die Stärkung der Darmschleimhaut
Damit sich die Mikrokulturen überhaupt im Darm ansiedeln und dort ihre Arbeit verrichten können, brauchen sie einen entsprechenden Nährboden: eine intakte Darmschleimhaut. Das Problem: Diese ist gerade bei Darmproblemen oft bereits in Mitleidenschaft gezogen, was die Ansiedelung der guten Bakterien erschwert.
Mikrokulturenpräparate sollten daher neben Bakterien auch Stoffe enthalten, welche die Darmschleimhaut unterstützen, wie zum Beispiel das B-Vitamin Biotin.

Eine Verpackung, welche die enthaltenen Bakterien ausreichend schützt
Die Bakterien in einem Mikrokulturenpräparat werden bei der Herstellung durch Gefriertrocknung in eine Art Winterschlaf versetzt. Kommen sie in Kontakt mit Feuchtigkeit, „erwachen“ sie. Da sie ausserhalb des Darms jedoch keine Nahrung finden, sterben sie ab, wenn sie bereits in der Verpackung Feuchtigkeit ausgesetzt werden.
Als bester Schutz davor gelten sogenannte Alu-Alu-Blister, bei denen jede Kapsel einzeln in eine Aluminiumkammer gebettet ist und somit optimal geschützt ist.

Auszeichnung hoher Qualitätsstandards
Leider gibt es von gesetzlicher Seite kaum Vorgaben zur Herstellung von Mikrokulturenpräparaten. Aus diesem Grund werben viele Hersteller mit Zertifizierungen, die oft nur einen Mindeststandard abdecken. Den höchsten Standard sichert die Produktion nach GMP (Good Manufacturing Practice), dem Arzneimittelproduktions-Standard.

Entsprechend diesen Kriterien haben wir fünf aktuell weit verbreitete Produkte untersucht und sind zu folgendem Ergebnis gekommen:

Kijimea K53 Advance
Vorteile
Der Hersteller ist in medizinischen Kreisen für seine Forschung und Innovationen bekannt.
Mit bereits einer leicht zu schluckenden Kapsel ist die Tagesdosis abgedeckt.
Das Produkt ist gluten-, fruktose- und laktosefrei sowie frei von Zusatz-, Konservierungs- und Aromastoffen und Süssungsmitteln.
Nachteile
Auf Grund der hohen Nachfrage hatte der Hersteller zuletzt offenbar zeitweise Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit.
K53 Advance stammt von dem in der Bakterienforschung etablierten deutschen Unternehmen SYNformulas. Diese Firma erfreut sich dank eigener wissenschaftlicher Forschung, die sogar schon im weltweit renommierten Fachjournal „The Lancet“ publiziert wurde, eines grossen Ansehens in medizinischen Fachkreisen.
Das zeigt sich auch bei der genaueren Betrachtung des Produkts: K53 Advance bietet mit 53 enthaltenen Bakterienstämmen die grösste Vielfalt. Ausserdem weist das Mikrokulturenpräparat die höchste Dosierung auf und enthält zusätzlich sowohl Biotin als auch Niacin für die Unterstützung der Darmschleimhaut.
Die Verpackung im Alu-Alu-Blister entspricht dem Goldstandard, denn sie schützt jede Kapsel von der Herstellung bis zum Verzehr optimal vor Luft und Feuchtigkeit. Ausserdem sind sowohl der Herstellungsprozess als auch die Anlagen, auf denen das Präparat hergestellt wird, nach dem strengen Arzneimittel-Standard GMP-zertifiziert.
Damit erreicht K53 Advance einen Durchschnitt von 95/100 Punkten und ist unser Testsieger.
Was uns speziell bei unseren Recherchen zu diesem Produkt in besonderem Masse ins Auge gestochen ist, sind die zahlreichen überaus positiven Kundenbewertungen, die unseren eigenen Eindruck von dem Präparat unterstreichen. Hier einige Beispiele:
Paul B.
„Ich bin begeistert über die positive Veränderung. Jedem nur zu empfehlen. Angefangen von schnellem Versand bis zur schnellen Wirkung TOP!“
Mathilda M.
„Ich habe lange nach einem Probiotika gesucht das nach den höchsten wissenschaftlichen Standards produziert und verpackt wird. Wenn man sich mit dem Thema ein wenig beschäftigt, wird schnell klar, dass Kijimea hier einfach einen anderen Qualitätsanspruch hat als andere – ich bin super zufrieden!!!“
Anita Z.
„Nehme das Produkt jetzt seit einigen Wochen und fühle mich bereits deutlich besser. Habe es auch bereits an eine Freundin weitergegeben.“

Kijimea K53 Advance konnte auf ganzer Linie überzeugen und landet daher mit 95 Punkten verdient auf dem 1. Platz.
Besonders beeindruckend: Das Produkt enthält ganze 53 verschiedene Bakterienstämme, weitaus mehr das zweitplatzierte Präparat.
Dr. Wolz Darmflora plus select
Vorteile
Das Produkt ist sowohl über den eigenen Online-Shop als auch über diverse Online-Apotheken verfügbar.
Mit Biotin und Niacin sind gleich zwei Wirkstoffe für die Unterstützung der Darmschleimhaut enthalten.
Nachteile
Mit nur 8 Stämmen bietet das Präparat bei weitem nicht die gewünschte Diversität.
Es liegt keine GMP-Zertifizierung vor.
Eine gute Nachricht vorweg: Auch dieses Präparat enthält gleich zwei Vitamine, die die Darmschleimhaut unterstützen sollen: Vitamin B2 und B7. Leider macht der Zweitplatzierte in den anderen Kategorien jedoch Abstriche: Er liefert lediglich acht verschiedene Bakterienstämme und ist somit weit von den empfohlenen 50 entfernt. Eine Kapsel enthält 12 Mrd. KBE, ebenfalls deutlich weniger als die empfohlenen 20 Mrd. Die Einzelverpackung im Blister ist zwar durchaus lobenswert, doch handelt es sich dabei nur um einen Plastik-Blister, der den Inhalt nicht ausreichend schützt.
Auch im Bereich Zertifizierung bleibt das Produkt dem „zwar – aber“-Schema treu: Auch wenn die Zertifizierung nach ISO und HACCP durchaus positiv zu bewerten ist, zeigt sie doch, dass der Hersteller Wert auf Qualitätssicherung setzt, so wäre eine Zertifizierung nach dem strengeren GMP-Standard vorzuziehen.

Mit 50 Punkten sichert sich Darmflora plus select den 2. Platz, allerdings mit grossem Abstand.
Zwar kann das Produkt mit der Zugabe von Vitamin B2 und B7 zur Unterstützung der Darmschleimhaut sowie eine ISO- und HACCP-Zertifizierung aufwarten, doch lassen sowohl Dosierung als Diversität zu wünschen übrig.
Darmflora plus select online kaufen
Vorteile
Nachteile
Probaflor liefert leider nur 11 Bakterienstämme und liegt damit im Mittelfeld – jedoch weit entfernt vom Testsieger. Erfreulich ist dagegen die relativ hohe Dosierung von 20 Mrd. KBE. Die Zugabe von Inulin als Präbiotikum ist dagegen ein zweischneidiges Schwert: Zwar kann es guten Darmbakterien als Futter dienen, doch reagieren viele Menschen mit Blähungen darauf.
Bei der Verpackung macht der Hersteller Abstriche: Zwar ist die Plastikdose mit einer speziellen Schicht ausgestattet, welche eingedrungene Feuchtigkeit binden soll, jedoch liegen der Redaktion keine überprüfbaren Daten vor, inwieweit dies über die gesamte Dauer des Gebrauchs gewährleistet ist. Der Hersteller gibt an, nach ISO- und FDA-Standards zertifiziert zu sein, macht aber keine Angaben zu einer GMP-Zertifizierung.

Mit 35 Punkten landet Probaflor von Nupure auf dem 3. Platz.
Positiv hervorzuheben ist dabei die Dosierung, leider enttäuscht das Produkt dafür in Bezug auf Vielfalt der Bakterienstämme sowie bei der Verpackung.
Probaflor online kaufen
Botanicy Probiotic
Vorteile
Zugabe von Fructooligosaccharide als Präbiotikum sowie Vitamin D3 zur Unterstützung des Immunsystems.
Gute Verfügbarkeit.
Nachteile
Sehr geringe Diversität.
Keine Unterstützung der Darmschleimhaut.
Mit gerade einmal 4 Bakterienstämmen – der geringste Wert in unserem Test – fällt Probiotic Duocap in dieser Kategorie leider durch. Auch die Dosierung von nur 10 Mrd. KBE kann nicht überzeugen. Erfreulich ist dagegen die Verpackung in einem Blister, wenn auch keinem Alu-Alu-Blister.
Der Hersteller gibt eine Zertifizierung nach ISO und HACCP an, es gibt jedoch keine Hinweise auf ein GMP-Zertifikat. Positiv hervorzuheben ist dagegen, dass das Präparat Fructooligosaccharide als Präbiotikum und Vitamin D3 enthält. Wirkstoffe, die explizit die Darmbarriere adressieren, sucht man dagegen vergeblich.

Bei Botanicy Probiotic reicht es nur für 30 Punkten und damit den 4. Platz. Die Darmschleimhaut unterstützende Stoffe fehlen ebenso wie eine GMP-Zertifizierung. Und auch die Dosierung überzeugt kaum. Das kann leider nicht einmal die Blisterverpackung auffangen.
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Lactobact Forte
Vorteile
Gleich zwei Stoffe sollen die Darmbarriere unterstützen.
Die Kapseln sind vegan, gluten- und laktosefrei.
Nachteile
5 Bakterienstämme sind für ein solches Präparat leider nicht ausreichend.
Die Dosierung fällt zu gering aus.
Weit abgeschlagen auf dem letzten Platz landet Lactobac Forte. Worauf sich der Zusatz „forte“ bezieht, konnte die Redaktion leider nicht nachvollziehen, enthält das Präparat doch die mit Abstand geringste Dosierung aller Produkte im Test. Mit gerade einmal 5 Bakterienstämmen kann es auch in dieser Kategorie keinen Boden gutmachen.
Erfreulicher ist dagegen die Zugabe von Biotin zur Unterstützung der Darmschleimhaut. Auch von der Aminosäure Glutamin wird ein positiver Effekt auf die Darmbarriere vermutet, jedoch konnte dieser noch nicht abschliessend geklärt werden. Die Kapseln sind vegan, gluten- und laktosefrei.
Eine GMP-Zertifizierung sucht man vergeblich. Die Verpackung lässt ebenfalls zu wünschen übrig: Die Plastikdose lässt bei jedem Öffnen Luft und damit Feuchtigkeit an das Produkt. Wie viele der enthaltenen Bakterien zum Packungsende hin tatsächlich noch lebensfähig sind, ist daher mehr als ungewiss.

Das Schlusslicht in unserem Test bildet Lactobact Forte – das Produkt erreichte gerade einmal 25 Punkte. Das liegt vor allem an einer zu geringen Stammdiversität und der fehlenden GMP-Zertifizierung.
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Fazit
Der Darm steht aktuell im Fokus medizinischer Forschung – wir meinen, zu Recht! Bereits jetzt lässt sich der grosse Einfluss dieses Organs und seiner bakteriellen Bewohner auf viele Gesundheitsbereiche erahnen. Mikrokulturenpräparate können dann in vielen Fällen eine sinnvolle Ergänzung sein.
Jedoch zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass sich zwischen den auf dem Markt befindlichen Produkten doch enorme Qualitätsunterschiede ausmachen lassen.
Daher ist es besonders wichtig, sich vor dem Kauf umfassend zu informieren.
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Hua, X., Goedert, J. J., Pu, A., Yu, G., & Shi, J. (2015). Allergy associations with the adult fecal microbiota: Analysis of the American Gut Project. EBioMedicine, 3, 172–179. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2015.11.038
Frémont, Marc et al. “High-throughput 16S rRNA gene sequencing reveals alterations of intestinal microbiota in myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome patients.” Anaerobe vol. 22 (2013): 50-6. doi:10.1016/j.anaerobe.2013.06.002

Frank Mehrbach wurde 1965 in Hamburg geboren und lebte seine Leidenschaft für das Schreiben schon früh durch sein Mitwirken in diversen Studentenzeitungen aus. Nach seiner akademischen Laufbahn besuchte er zahlreiche Seminare und Vorträge rund ums Thema Gesundheit, durch die er sein journalistisches Handwerk mit seiner Leidenschaft für Medizin kombinieren konnte. Mehrbach schrieb für verschiedene medizinische Fachzeitschriften und Gesundheitsmagazine.
2005 trat Frank Mehrbach schliesslich dem Redaktionsteam von Fachmagazin Apotheke bei. Dank seiner fundierten Kenntnisse aus dem Gesundheitssektor und seinem Talent für präzise und verständliche Wissenschaftskommunikation stieg er schnell die Karriereleiter hoch. Im Jahr 2015 übernahm er die Position des Chefredakteurs.
Unter Mehrbachs Leitung veröffentlicht Fachmagazin Apotheke eine Vielzahl von Artikeln und Reportagen, die sich sowohl an medizinisches Fachpublikum als auch interessierte Laien richtet. Sein Ziel ist es, komplexe medizinische Themen verständlich darzustellen und gleichzeitig den neuesten Stand der Forschung zu präsentieren. Frank Mehrbach ist bekannt für seine sorgfältige Recherche und sein Engagement für qualitativ hochwertigen Journalismus.
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