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Probiotikum zum Antibiotikum – Unterstützung oder lediglich Geldverschwendung?
Probiotika sind aktuell einer der grössten Gesundheits-Trends überhaupt. Aber welche Produkte sind ihr Geld wirklich wert? Wir haben 5 bekannte Produkte genau untersucht.


Was steckt eigentlich hinter den Begriffen Probiotikum, Mikrobiom und Dysbiose – und wie hängen sie zusammen?
Bei sogenannten Probiotika handelt es sich um Produkte mit lebenden Mikroorganismen, die das Darmmikrobiom unterstützen sollen.
Als Darmmikrobiom bezeichnet man die Gemeinschaft aller Mikroorganismen in unserem Darm. Dieses ist aus über 100 verschiedenen Bakteriengattungen zusammengesetzt, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften und Aufgaben haben. Während lange Zeit zwischen sogenannten „guten“ und „schlechten“ Bakterien unterschieden wurde (erstere wurden häufig als „Probiotika“, letztere u.a. als „Fäulnisbakterien“ bezeichnet), konzentriert man sich heute eher auf ihr komplexes Zusammenspiel.
Oft wird dafür das Bild eines Regenwaldes verwendet: Dieser lebt von der Diversität und der Vielzahl seiner Bewohner, da jeder Pflanze und jedem Lebewesen eine bestimmte Rolle innerhalb dieses Ökosystems zukommt. Moderne Probiotika – auch Mikrokulturenpräparate genannt – setzen deshalb auf eine grosse Anzahl verschiedener Bakterienstämme, anstatt nur auf einige wenige.
Denn: Gerät dieses Ökosystem aus dem Gleichgewicht, weil zum Beispiel einzelne Bakterienstämme verdrängt werden oder insgesamt die Anzahl der Bakterien reduziert ist, spricht man von einer Dysbiose. Diese kann viele verschiedene Folgen haben.
Deshalb fokussieren sich Mikrokulturenpräparate der nächsten Generation darauf, eine grosse Vielfalt von Bakterienstämmen in einer hohen Dosierung zuzuführen.
Was muss bei der Anwendung von Probiotika beachtet werden?
Probiotika sind kein Sprint, sondern ein Marathon. Mikrokulturenpräparate sollten immer über einen längeren Zeitraum, idealerweise mindestens 12 Wochen, angewendet werden. Daneben haben wir einige Dos&Don’ts für dich gesammelt:
Das solltest du vermeiden:
Geringe Diversität
Experten empfehlen mindestens 50 verschiedene Bakterienstämme, um einen wirklichen Unterschied zu machen.
Niedrige oder verwirrende Dosierung
Diese wird bei Probiotika in KBE, koloniebildende Einheiten, gemessen. Ist diese Dosierung zu niedrig (z. B. unter 20 Mrd. KBE pro Tagesdosis) oder unklar kommuniziert (manche Hersteller versuchen, die Dosierung durch komplizierte Anwendungsanweisungen zu verschleiern), ist das ein Warnzeichen.
Schlechte Verpackung
Die wertvollen Bakterien sind extrem empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, sogar Luftfeuchtigkeit kann ausreichen, um sie abzutöten, noch bevor du die Kapsel auch nur in der Hand hattest. Deshalb sollten sie individuell in Aluminium verpackt sein, nicht in Plastikdosen oder Gläsern.
Keine GMP-Zertifizierung
GMP, der Arzneimittelstandard ist ein besonders strenger Produktionsstandard. Produkte mit diesem Zertifikat wurden nachgewiesenermassen nach diesem Standard gefertigt.
Keine zusätzliche Unterstützung der Darmschleimhaut
Die Darmschleimhaut ist der Nährboden für die guten Bakterien. Eine Dysbiose steht oft mit Schädigungen der Darmschleimhaut in Verbindung. Deshalb sollten Probiotika immer auch Stoffe enthalten, die die Darmschleimhaut gezielt unterstützen.
Do’s and Don’ts
DO
Hohe Diversität: mindestens 50 Bakterienstämme
Hohe Dosierung und transparente Verzehrempfehlung
Sichere Verpackung, zum Beispiel im Alu-Alu-Blister
Nachgewiesenermassen hohe Produktionsstandards
Kompetenter Kundenservice und Geld-zurück-Garantie
Unkomplizierte Anwendung
DON'T
Nur auf den Preis schauen
Von übertriebenen Dosierungsangaben blenden lassen
Geringe Dosierung
Geringe Diversität
Komplizierte Anwendung und/oder zu grosse Kapseln (schwer zu schlucken)
Der grosse Test
Entsprechend dieser Kriterien haben wir 5 aktuell weit verbreitete Produkte untersucht und sind zu folgendem Ergebnis gekommen:

K53 Advance
Vorteile
Der Hersteller ist in medizinischen Kreisen für seine Forschung und Innovationen bekannt.
Mit bereits einer leicht zu schluckenden Kapsel ist die Tagesdosis abgedeckt.
Das Produkt ist gluten-, fruktose- und laktosefrei sowie frei von Zusatz-, Konservierungs- und Aromastoffen und Süssungsmitteln.
Nachteile
Zwar sind die Kapseln sowohl über den eigenen Shop als auch über Amazon und diverse Online-Apotheken bestellbar, doch hatte der Hersteller zuletzt aufgrund der grossen Nachfrage offenbar Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit.
K53 Advance der renommierten deutschen Firma Synformulas bietet mit 53 enthaltenen Bakterienstämmen die grösste Vielfalt. Ausserdem weist das Mikrokulturenpräparat die höchste Dosierung auf und enthält zusätzlich sowohl Biotin als auch Niacin für die Unterstützung der Darmschleimhaut.
Die Verpackung im Alu-Alu-Blister entspricht dem Goldstandard, denn sie schützt jede Kapsel von der Herstellung bis zum Verzehr optimal vor Luft und Feuchtigkeit. Ausserdem sind sowohl der Herstellungsprozess als auch die Anlagen, auf denen das Präparat hergestellt wird, nach dem strengen Arzneimittel-Standard GMP-zertifiziert.
Darmflora plus select
Vorteile
Das Produkt ist sowohl über den eigenen Online-Shop als auch über diverse Online-Apotheken verfügbar.
Mit Biotin und Niacin sind gleich zwei Wirkstoffe für die Unterstützung der Darmschleimhaut enthalten.
Nachteile
Mit nur 8 Stämmen bietet das Präparat bei weitem nicht die gewünschte Diversität.
Es liegt keine GMP-Zertifizierung vor.
Auch dieses Präparat enthält gleich zwei Vitamine, die die Darmschleimhaut unterstützen sollen: Vitamin B2 und B7. Dagegen liefert es lediglich acht verschiedene Bakterienstämme und ist somit weit von den empfohlenen 50 entfernt.
Eine Kapsel enthält 12 Mrd. KBE, ebenfalls deutlich weniger als die empfohlenen 20 Mrd. Die Einzelverpackung im Blister ist zwar durchaus lobenswert, doch handelt es sich dabei nur um einen Plastik-Blister, der den Inhalt nicht ausreichend schützt. Eine GMP-Zertifizierung konnte nicht gefunden werden, lediglich ISO und HACCP liegen vor.
Darmflora plus select online kaufen
Vorteile
Nachteile
Probaflor liefert leider nur 11 Bakterienstämme und liegt damit im Mittelfeld. Erfreulich ist dagegen die relativ hohe Dosierung von 20 Mrd. KBE. Bei der Verpackung macht der Hersteller Abstriche: Zwar ist die Plastikdose mit einer speziellen Schicht ausgestattet, welche eingedrungene Feuchtigkeit binden soll, jedoch liegen der Redaktion keine überprüfbaren Daten vor, inwieweit dies über die gesamte Dauer des Gebrauchs gewährleistet ist. Der Hersteller gibt an, nach ISO- und FDA-Standards zertifiziert zu sein, macht aber keine Angaben zu einer GMP-Zertifizierung.
Probaflor online kaufen
Botanicy Probiotic Duocap
Vorteile
Zugabe von Fructooligosaccharide als Präbiotikum sowie Vitamin D3 zur Unterstützung des Immunsystems.
Gute Verfügbarkeit.
Nachteile
Sehr geringe Diversität.
Keine Unterstützung der Darmschleimhaut.
Mit gerade einmal 4 Bakterienstämmen – der geringste Wert in unserem Test – fällt Probiotic Duocap in dieser Kategorie leider durch. Auch die Dosierung von nur 10 Mrd. KBE kann nicht überzeugen. Erfreulich ist dagegen die Verpackung in einem Blister, wenn auch keinem Alu-Alu-Blister. Der Hersteller gibt eine Zertifizierung nach ISO und HACCP an, es gibt jedoch keine Hinweise auf ein GMP-Zertifikat. Wirkstoffe, die explizit die Darmbarriere adressieren, sucht man vergeblich.
Botanicy Probiotic Duocap online kaufen
Lactobact Forte
Vorteile
Gleich zwei Stoffe sollen die Darmbarriere unterstützen.
Die Kapseln sind vegan, gluten- und laktosefrei.
Hohe Dosierung.
Nachteile
5 Bakterienstämme sind für ein solches Präparat leider nicht ausreichend.
Die Dosierung fällt zu gering aus.
Weit abgeschlagen auf dem letzten Platz landet Lactobact Forte. Worauf sich der Zusatz „forte“ bezieht, konnte die Redaktion leider nicht nachvollziehen, enthält das Präparat doch die mit Abstand geringste Dosierung aller Produkte im Test. Mit gerade einmal 5 Bakterienstämmen kann es auch in dieser Kategorie keinen Boden gutmachen.
Erfreulicher ist dagegen die Zugabe von Biotin zur Unterstützung der Darmschleimhaut. Eine GMP-Zertifizierung sucht man vergeblich. Die Verpackung lässt ebenfalls zu wünschen übrig: Die Plastikdose lässt bei jedem Öffnen Luft und damit Feuchtigkeit an das Produkt.
Lactobact Forte online kaufen
Kijimea K53 Advance
53 verschiedene Stämme
20 Milliarden KBE
Biotin & Niacin
Alu-Alu-Blister
12-Wochen-Kur
Geld-zurück-Garantie

Kim, Sangman M et al. “Fecal microbiota transplant rescues mice from human pathogen mediated sepsis by restoring systemic immunity.” Nature communications vol. 11,1 2354. 11 May. 2020, doi:10.1038/s41467-020-15545-w
Turnbaugh, P et al. An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. Nature 444, 1027–1031 (2006). https://doi.org/10.1038/nature05414
Hua, X., Goedert, J. J., Pu, A., Yu, G., & Shi, J. (2015). Allergy associations with the adult fecal microbiota: Analysis of the American Gut Project. EBioMedicine, 3, 172–179. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2015.11.038
Frémont, Marc et al. “High-throughput 16S rRNA gene sequencing reveals alterations of intestinal microbiota in myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome patients.” Anaerobe vol. 22 (2013): 50-6. doi:10.1016/j.anaerobe.2013.06.002

Frank Mehrbach wurde 1965 in Hamburg geboren und lebte seine Leidenschaft für das Schreiben schon früh durch sein Mitwirken in diversen Studentenzeitungen aus. Nach seiner akademischen Laufbahn besuchte er zahlreiche Seminare und Vorträge rund ums Thema Gesundheit, durch die er sein journalistisches Handwerk mit seiner Leidenschaft für Medizin kombinieren konnte. Mehrbach schrieb für verschiedene medizinische Fachzeitschriften und Gesundheitsmagazine.
2005 trat Frank Mehrbach schliesslich dem Redaktionsteam von Fachmagazin Apotheke bei. Dank seiner fundierten Kenntnisse aus dem Gesundheitssektor und seinem Talent für präzise und verständliche Wissenschaftskommunikation stieg er schnell die Karriereleiter hoch. Im Jahr 2015 übernahm er die Position des Chefredakteurs.
Unter Mehrbachs Leitung veröffentlicht Fachmagazin Apotheke eine Vielzahl von Artikeln und Reportagen, die sich sowohl an medizinisches Fachpublikum als auch interessierte Laien richtet. Sein Ziel ist es, komplexe medizinische Themen verständlich darzustellen und gleichzeitig den neuesten Stand der Forschung zu präsentieren. Frank Mehrbach ist bekannt für seine sorgfältige Recherche und sein Engagement für qualitativ hochwertigen Journalismus.
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